Wettkampftyp mit sonnigem Gemüt

Manchmal muss sie sich kneifen, so schnell ging das alles. Turnerin Elisabeth Seitz - bei ihren ersten Deutschen Meisterschaften 2009 gewann sie bei den "Erwachsenen" auf Anhieb drei Silbermedaillen. Dann, im selben Jahr, darf sie zu den Weltmeisterschaften nach London, wo sie nur knapp das Mehrkampffinale verpasste. Bei den Europameisterschaften in Birmingham 2010 ist sie bereits Achte am Stufenbarren. Im September avanciert die Aufsteigerin schließlich zur besten deutschen Turnerin: Sie gewinnt bei den Deutschen Meisterschaften nicht nur den Mehrkampf, sondern auch die Einzelfinals an Stufenbarren, Schwebebalken und Boden.

"Eli", wie die Turnerin der TG Mannheim genannt wird, ist die Senkrechtstarterin im Turn-Team Deutschland. Als jüngste DTB-Vertreterin bei den Seniorinnen schaffte sie in Birmingham als einzige den Einzug in ein Finale ? ein großer Erfolg für die EM-Debütantin. Doch dieser kommt nicht von ungefähr. "Elisabeth ist ein Wettkampftyp. Sie trainiert hohe Umfänge, tut immer mehr als andere", lobte die Cheftrainerin Ulla Koch nach dem starken Auftritt ihres Schützlings in der National Indoor Arena. Mehr als 30 Stunden pro Woche steht ?Eli? in der Halle. Nur sonntags ist trainingsfrei.

Glücksbringer aus dem "Hexenhäuschen"

Die 1,60m große Turnerin ist ein sonniges Gemüt. Sie lacht gerne und mit anderen zu reden ist ihre Art, um sich auf Kürübungen vorzubereiten. Aber noch ein weiteres Ritual zelebriert "Eli" vor wichtigen Wettkämpfen. "Ich gehe bei uns im Ort immer in einen kleinen Laden, das 'Hexenhäuschen'. Dort gibt es ein Glücksrad mit kleinen Steinen, auf dem ein Orakelspruch steht. Ich nehme aber immer meine Mutter mit und wenn es ein schlechter Stein ist, gebe ich ihn ihr." Vor den Europameisterschaften 2010 hatte sie allerdings keine Zeit dafür. Kein Problem, wie ihr Abschneiden zeigte.

Die heute 16-Jährige kam erst recht spät zum Turnen. Erste Versuche machte sie zwar schon im Alter von zwei Jahren beim TV 1892 Friedrichsfeld im Eltern-Kind-Turnen. Es sollte jedoch noch ein Weilchen dauern, bis sie sich voll und ganz dem Leistungssport widmete. Erst mit sieben Jahren verschrieb sie sich dem trainingsintensiven Alltag des Leistungsturnens. Doch Eli ist ehrgeizig und die ästhetische Sportart bereitet ihr sehr viel Freude. "Es macht mir Spaß, neue Teile zu erlernen. Das 'Rumfliegen' ist einfach toll", erklärte sie. Das Turntalent scheint ihr in die Wiege gelegt worden zu sein. Ihre Mutter, Claudia Süßenbach, war ebenfalls Turnerin und siegte u.a. beim Landesturnfest 1989 in Heilbronn.

Kometenhafter Aufstieg

Seit 2004 ist die Mannheimerin im Bundeskader des Deutschen Turner-Bundes. Zwei Jahre später kam sie zur ihrer heutigen Heimtrainerin Claudia Schunk. Diese erinnert sich: "Als ich sie 2006 übernommen habe, war sie in meinem Junioren-Kader noch mit Abstand die Schwächste". Schunk verordnete ihr erst mal ordentlich Krafttraining, mit Erfolg. Bei den darauffolgenden Deutschen Jugendmeisterschaften verbesserte sie ihr Mehrkampfergebnis vom zehnten auf den dritten Platz. Auch am Schwebebalken und dem Stufenbarren - ihrem absoluten Lieblingsgerät - holte sie Bronze.

Ihr Debüt in der Frauen Nationalmannschaft feierte sie im Mai 2009 beim Länderkampf gegen die USA. Sie hatte im Vorfeld die interne Qualifikation für sich entschieden. Seither kann von einem kometenhaften Aufstieg gesprochen werden. Gleich in ihrem ersten Jahr bei den Seniorinnen qualifizierte sie sich für die Weltmeisterschaften in London und kam dort auf eine hervorragenden 27. Platz im Mehrkampf. "Sie hat das erstklassig gemeistert", sagte Cheftrainerin Koch, die die Nervenstärke von "Eli" bewunderte. 2010 dann das Highlight ihrer bisherigen Karriere: Platz acht am Stufenbarren bei den Europameisterschaften in Birmingham. Bei den Deutschen Meisterschaften im selben Jahr gewinnt sie vier Titel und unterstreicht damit ihre hervorragende Form. Auch für die Weltmeisterschaften in Rotterdam im Oktober 2010 ist die Schülerin bereits gesetzt.