Oksana Chusovitina im Porträt

Eine Grande Dame fühlt sich "wie 18"

Die "Grande Dame" im Frauenteam der deutschen Turnerinnen nahm in Peking 2008 bereits an ihren fünften Olympischen Spielen teil. Das ist einsamer Rekord, der mit dem Gewinn der Silbermedaille am Sprungtisch gekrönt wurde. Die gebürtige Usbekin Oksana Chusovitina wurde im Juni 35 Jahre alt, und wird liebevoll "Turn-Oma" genannt. Viele ihrer Konkurrentinnen waren noch nicht einmal geboren, als Chusovitina mit 14 Jahren 1989 beim "Turnier der Meister" in Cottbus ihren ersten internationalen Auftritt hatte oder als sie 1991 ihre ersten WM-Goldmedaillen am Boden und mit dem Team in Indianapolis gewann.

Die Mutter des elfjährigen Alisher lebt seit 2003 in Köln.
Alisher erkrankte 2002 an Leukämie. Zwecks der Behandlung, die in Usbekistan nicht gewährleistet werden konnte, zog Oksana mit ihrer Familie nach Deutschland. Ihr neuer Verein Turnteam Toyota Köln und zahlreiche Spenden machten eine Behandlung in der Klinik der Kölner Universität möglich. Drei Jahre später erhielt die Sprung-Spezialistin die deutsche Staatsbürgerschaft und konnte 2006 das erste Mal die deutschen Farben bei den Weltmeisterschaften in Aarhus vertreten.

Gold bei ihren ersten Olympischen Spielen

1982 entdeckte die 1,53 Meter große Sportlerin das Turnen für sich. Nach dem Ende der UdSSR turnte die in Buchara (UZB) geborene Athletin für Usbekistan und konnte trotz ungünstiger Trainingsbedingungen in der Weltklasse turnen. Noch als Kind wurde sie 1988 im Mehrkampf und am Boden sowjetische Meisterin, 1990 erstmals Europameisterin mit der Mannschaft sowie Vize-Europameisterin im Mehrkampf. Bei ihren ersten Olympischen Spielen 1992 in Barcelona holte die damalige zweifache Weltmeisterin, die ihre Stärken am Sprung und Boden hat, Gold mit der Mannschaft. In ihrer Heimat Usbekistan ist die Powerfrau eine Volksheldin und wurde sogar schon mit einem Briefmarkenmotiv anlässlich des 10. Jahrestages der staatlichen Unabhängigkeit Usbekistans 2001 geehrt.

1997 heiratete die Ausnahme-Athletin den Ringer Bahodir Kurpanov, zwei Jahre später wurde ihr gemeinsamer Sohn Alisher geboren. "Heute ist er ein aufgeweckter und verspielter Junge, der davon träumt, Fußballer zu werden", sagt die Turnerin. Oksanas heutige Trainerin Shanna Poljakova hatte sie nach den Olympischen Spielen in Atlanta gefragt, ob sie einen Bundesliga-Wettkampf für Köln bestreiten möchte. "Turnen ist mein Leben. Ich liebe meinen Sport. Auch heute habe ich immer noch Spaß am Training und an den Wettkämpfen. Ob 30 oder 15 Jahre alt – für mich macht das keinen Unterschied", so die DTB-Athletin.

Konsequenz bringt Erfolge

Bei den Europameisterschaften 2008 in Clermont-Ferrand gewann Chusovitina ihre zweite EM-Goldmedaille nach 1991. Damit ist sie die bislang älteste Titelträgerin und zudem auch die erste deutsche Europameisterin seit Maxi Gnaucks Goldmedaillengewinn am Stufenbarren 1985. Durch den Sport hat sie nach eigenen Angaben gelernt, konsequent ihre Ziele zu verfolgen, "denn nur so kann man im Sport erfolgreich sein."

Oksana kann auf eine Turnerfahrung zurückblicken, die unter den aktiven Turnerinnen ihresgleichen sucht. Bezeichnend für ihr Durchhaltevermögen und ihrem Motto "immer weiter", will die 35-Jährige noch bis mindestens 2012 turnen. Nach ihrer Silbermedaille in Peking antwortete sie den Journalisten auf die Frage nach dem Karriereende: "Bei den nächsten olympischen Spielen bin ich 37. Danach kann ich eigentlich auch noch mal mitmachen", sagt sie und lacht. Das wäre dann 2016, und sie wäre 41. Nach den Olympischen Spielen meinte es das Verletzungspech aber gar nicht gut mit dem Energiebündel. Erst riss die Achillessehne, dann, kurz vor der WM-Qualifikation für London 2009, die Bizepssehne. Bei den Europameisterschaften 2010 in Birmingham meldete sich die Kölnerin wieder zurück. Für eine Finalteilnahme reichte es zwar noch nicht, doch mit Rang zwölf am Sprung zeigte Oksana, dass mit ihr noch immer zu rechnen ist. Auch für die Weltmeisterschaften im Oktober in Rotterdam ist sie bereits gesetzt.