Philipp Boy im Porträt

Vize-Weltmeister Philipp Boy: "Nervenstark, fröhlich und charmant"

Philipp Boy beschreibt sich selbst als "zielstrebig, teamfähig und fröhlich." Der 23-Jährige überzeugt durch Vielseitigkeit und durch sein selbstbewusstes Auftreten. Treu seiner Philosophie, "man trainiert nicht um Zweiter zu werden", schaffte es der Lausitzer trotz einiger Rückschläge durch Verletzungen zu seinen ersten Olympischen Spielen 2008 nach Peking.
2010 folgt seine erste internationale Einzelmedaille bei den Europameisterschaften in Birmingham.

Im Oktober 2010 wurden die Weltmeisterschaften 2010 in Rotterdam dann zur WM des Philipp Boy: Silber im Mehrkampf, Bronze mit dem Team, Vierter am Reck und "Elegantester Turner der WM". Ein Paukenschlag, der für weltweite Aufmerksamkeit sorgte. "Es waren die schönsten und überwältigendsten Gefühle, die ich je nach einem erfolgreichen Wettkampf spüren durfte. Es war das Gefühl, endlich seinen Traum verwirklicht zu haben!" so Philipp Boy nach der WM.

Energie beim Turnen loswerden

Der Sportsoldat gab bei den Weltmeisterschaften 2006 im dänischen Aarhus sein Debüt im deutschen Team. Als zuverlässiger und wettkampfstarker Mehrkämpfer überzeugte er Cheftrainer Andreas Hirsch.

Bereits im Alter von fünf Jahren entdeckte der in Schwedt an der Oder geborene und in Blumenhagen aufgewachsene Philipp das Gerätturnen für sich. "Meine Mutter schickte mich zum Turnen, damit ich die überschüssige Energie loswerde. Durch den Sport habe ich Disziplin und die Körperbeherrschung gelernt, was man in keinem anderen Sport auf diese Art erfährt", so der Vize-Europameister von 2008. Aus der "Talentschmiede" von Trainer Manfred Paschke stammend, wechselte der impulsive und etwas ungeduldige Athlet 1997 in die Lausitzer Sportschule, wo Boy unter Trainer Horst Werner harte Disziplin und Trainingsfleiß lernte.

Boys Vorbild ist der japanische Turner Hiroyuki Tomita: "Sein Auftreten, Art, Einstellung und Mentalität beeindrucken mich." Vor wenigen Jahren zählte Philipp Boy noch zu den größten Turn-Talenten Deutschlands, aber auch als emotional und überehrgeizig.

"Das habe ich gelernt, ich sehe die Sache heute lockerer und setze mir nicht mehr zu hohe Ziele", erzählt der Cottbuser, der sich seit fast fünf Jahren immer wieder mit Verletzungen herumplagen musste. "Durch viel Disziplin, Verzicht und hartem Training bin ich wieder heran gekommen. Ich versuche jetzt einfach mehr mit meinem Kopf zu arbeiten, was mir in der Vergangenheit nicht so gut gelungen war. Frei nach dem Motto: Train with brain", erzählt der DTB-Turner.
Die wichtigste Voraussetzung, um in einem Wettkampf zu Höchstform aufzulaufen: "Der Kopf muss frei sein. Genau das ist mir bei der WM in Rotterdam gelungen."

Große Ziele: Die EM in der Lieblingsstadt und eine Medaille bei Olympia

Der Schützling von Karsten Oelsch präsentierte sich 2008 in starker Form: EM-Zweiter mit der Mannschaft in Lausanne und Sieger der 1. Olympiaqualifikation in Berlin. "Nach seiner Schulter-Operation hat er sich wieder zu einer Stütze des Teams entwickelt", lobte Chefcoach Andreas Hirsch den 23-jährigen Turner in Berlin.
Bei seinen ersten Olympischen Spielen verpasste er mit dem Team knapp die Bronzemedaille und belegte einen hervorragenden 13. Platz im Mehrkampffinale. 2009 hatte der Cottbuser weniger Glück: erst stürzte er bei der WM-Qualifikation in London vom Reck und verpasste damit den Einzug in Finale. Wenig später verletzte er sich im Training.

Doch Boy hat gezeigt, dass er Rückschläge verkraften kann: Bei den Europameisterschaften 2010 in Birmingham folgt nicht nur Mannschaftsgold sondern auch seine erste internationale Einzelmedaille. Er holt Bronze am Reck. Bei der WM 2010 dann der Riesenerfolg als Vize-Weltmeister und Bronzemedaillengewinner mit dem Team.

Sein großes sportliches Ziel sind jetzt die Olympischen Spiele 2012 in London: "Mein größter sportlicher Traum ist eine Olympia-Medaille im Reck-Finale". Diesem Ziel ordnet Philipp momentan alles unter und will auf dem Weg dorthin Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften gewinnen.

Er ist voller Vorfreude auf die Turn-EM 2011 in der Hauptstadt, zumal Berlin seine Lieblingsstadt ist: "Die EM in Berlin wird sensationell. Ich freue mich schon heute riesig drauf! Ich will mich in Berlin sehr gut präsentieren, ich möchte das ein oder andere Finale erreichen und dort dann alles geben. Es ist nicht nur etwas Besonderes, im eigenen Land eine Europameisterschaft zu haben, sondern gerade in Berlin, der Stadt, die ich liebe und in der ich viele Wochenenden verbringe. Außerdem liegt sie in der Nähe meiner Heimat. Nein, es wird keine EM wie die anderen, es wird eine ganz besondere EM für mich!«

Hält gerne andere auf Trab

Mit seiner offenen Art und seinen stabilen Leistungen gilt der 1,72 Meter große Athlet als Zuschauerliebling. "Ich habe ein stolzes Temperament und ein sonniges Gemüt", gibt der Sportsoldat als seine markantesten Charakterzüge an und hält damit seine Trainer, Eltern und Freunde nach eigenen Angaben gerne auf Trab. In Cottbus fühlt sich der EM-Dritte von 2010 wohl: "Das Umfeld ist optimal, da möchte ich nie weg."

Auf internationaler Bühne sich zu präsentieren, in den Medien zu sein und prominente Menschen kennen zu lernen, sind Motive, die Philipp Boy zu Bestleistungen antreiben. Neben dem Turnsport interessiert sich der "Sunnyboy" für Fußball und Mode. Philipp ist leidenschaftlicher Energie Cottbus Fan und, wenn er nicht unterwegs ist, bei allen Heimspielen im Stadion der Energie.

Gut auszusehen spielt für den Mädchenschwarm dabei eine große Rolle. Komplett angezogen fühlt er sich aber nur mit Sonnenbrille. Ein Tick, über den auch seine Familie manchmal lacht, gibt der Cottbuser schmunzelnd zu.